Lebendige Tradition

Traditionen müssen gepflegt werden, um nicht zu verschwinden. Traditionelle Lieder und Musik zu spielen, zu singen und zu hören ist eine Sache – Traditionen weiterzugeben an nachfolgende Generationen eine andere.

Die Tradition der Shanties beinhaltet die Geschichte der Texte, der Melodien und der Seefahrer, die diese sangen. Ob auf Salpeterfahrt nach Chile, auf Walfang im Eismeer oder auf den Getreiderouten zwischen Australien und Europa, die Musik war immer mit dabei und untrennbar mit dem Bordalltag verbunden. Es gab die Worksongs, Arbeitslieder, die ursprünglichen Shanties, die den Matrosen den Rhythmus der verschiedenen Arbeiten an Bord der Segelschiffe vorgaben. Gemeinsam zogen sie im Takt an den Brassen und Tauen, etwa zum Refrain des Drunken Sailors: „Hoo-ray and up she rises, hoo-ray and up she rises, …“ Aber auch melodiösere Lieder wurden gesungen, in den Freiwachen oder abends, wenn die Seeleute in ihren Quartieren vor dem Mast von der Sehnsucht nach der Heimat oder ihrem Alltag auf See erzählten. Dass diese Lieder auch nach dem Ende der Zeit der Segelschifffahrt bewahrt und weitergegeben werden, ist ein großes Verdienst der Shanty- und Seemannschöre und auch wir versuchen, unseren Beitrag dazu zu leisten.

Daher haben wir uns besonders gefreut, am 12. März einer Einladung ins Heimatmuseum Warnemünde folgen zu können. Von der Leiterin Dr. Kathrin Möller erhielten wir eine Privatführung durch die Räumlichkeiten und hörten viele interessante Geschichten zur Geschichte Rostocks und Warnemündes sowie der Warnemünder Schiffer. Das symphatische Museum befindet sich in einem traditionellen Wohnhaus in zweiter Reihe am Alten Strom gleich hinter der Alten Vogtei und ist ein lohnendes Ausflugsziel sowohl für Gäste als auch für Einheimische. Das größte Geschenk machte Frau Möller uns aber zusammen mit Gabi Köbbert, der Witwe des vor zwei Jahren verstorbenen Warnemünder Urgesteins, des Sängers und Unterhaltungskünstlers Horst Köbbert. Horst Köbbert war in der DDR der wohl bekannteste Interpret von Shanties und Seemansmusik und der Gastgeber zahlreicher Fernsehsendungen, wie etwa Klock acht, achter’n Strom oder Ein Kessel Buntes. Nach der Wiedervereinigung präsentierte er zusammen mit Carlo von Tiedemann die Große Hafenrundfahrt im NDR und erlangte Bekanntheit in beiden Teilen Deutschlands. Aus seinem Nachlass durften wir viele Noten und Liederbücher in Empfang nehmen, aber auch originale Requisiten, die er bei seinen Auftritten nutzte. Es macht uns stolz, dass die selben Elbseglermützen, die jahrzehntelang von Horst Köbbert getragen wurden, jetzt auf unseren Köpfen sitzen und bei uns die gleichen Lieder hören, wie schon bei ihrem Vorbesitzer.

Vielen Dank dafür, wir werden sie in Ehren halten!

Die Blowboys vor dem Heimatmuseum Warnemünde mit Museumsleiterin Dr. Kathrin Möller (l.) und Gabi Köbbert

Die Blowboys vor dem Heimatmuseum Warnemünde mit Museumsleiterin Dr. Kathrin Möller (l.) und Gabi Köbbert

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